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Gedanken zu Weihnachten

Es war einmal ein kleiner 12-jähriger Junge namens Kurt. Er ging in eine Schule in einem beschaulichen Ort in der Schweiz. Eines Tages sagte seine Lehrerin, dass nächste Woche ein neuer Mitschüler bei ihnen starten würde. Als die Lehrerin den Namen des neuen Schülers sagte, dachte Kurt sich nichts weiter. Ausser vielleicht, dass er einen Namen hatte, der so klang wie Kurt es noch nie gehört hatte. Er hiess nämlich Nadim. Kurt wusste auch, dass in dem Land, in dem Nadim lebte, Krieg herrschte und er und seine Familie fliehen mussten. 

Am Montag, als der neue Schüler anfing wollte es der Zufall, dass er neben Kurt sass. Kurt merkte bald, dass der neue Schüler noch nicht so gut Deutsch sprach. Doch das machte nichts. Die beiden Knaben freundeten sich an, denn sie hatten etwas gemeinsam. Sie beide liebten Fussball, sie beide liebten Christiano Ronaldo. So kam es, dass die Knaben in ihrer Freizeit häufig Fussball spielten. 

Die Freunde brauchten nicht viele Worte, denn sie nutzten die Sprache der Freundschaft, der Liebe und der Hilfsbereitschaft. Trotzdem war es so, dass der neue Schüler je länger je besser Deutsch sprach. Im Dezember lud Kurt seinen Freund zu sich nach Hause ein. Es gab Weihnachtsguetzli und eine feine heisse Schokolade. Nadim sah den Adventskranz, und er bemerkte, dass dort 2 Kerzen angezündet waren. Er fragte, weshalb erst 2 Kerzen angezündet worden waren. Kurts Mutter erklärte Nadim, dass sie jeden Sonntag eine Kerze anzünden würden und wenn alle Kerzen brannten, dann kommt das Christkind mit den Geschenken. Nadim verstand das nicht, denn er hatte davon noch nie etwas gehört. Kurts Mutter erklärte Nadim, dass uns Gott vor langer, langer Zeit seinen Sohn auf die Erde geschickt hat - und uns so ein riesiges Geschenk gemacht hatte. Nadim verstand das immer noch nicht - denn er hatte die Geschichte mit Gott anders gehört. 

Nadim fragte, was denn ihr Gott für sie machte. Kurt meinte, dass er uns die schöne Natur schenkte, dass er uns beschützt und hilft, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Nadim meinte, dass mache sein Gott auch. Kurt meinte, dass er uns liebt so wie wir sind. Hmmm, das macht Nadims Gott auch. Und natürlich spendet Gott uns Trost wenn wir traurig sind. Die beiden Knaben waren nicht überrascht. Auch das macht Nadims Gott auch. 

An diesem Tag beschlossen Kurt und Nadim, dass sie gleich waren. Sie glaubten beide an Gott - der sie beschützte, ihnen Trost spendet, und der beide gleich liebt. 

Nur die Geschichte dahinter ist eine andere...

Ich habe diese Geschichte geschrieben, weil ich mir je länger je mehr Gedanken zu den Religionen mache. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass wir alle - wenn wir von Gott reden - vom gleichen reden. Nur die Geschichte dahinter ist eine andere. Ich habe mich in letzter Zeit vom Denken in Religionen gelöst - aus der Kirche bin ich ausgetreten.  Wenn ich Gott - oder wie auch immer wir es nennen wollen - nahe sein will, dann gehe ich in die Natur. In die Wälder, in meine geliebten Berge. Wenn ich diese ganze Schönheit sehe, dann weiss ich, dass da noch mehr sein muss, als wir uns jemals vorstellen können. Wenn ich die Tiere sehe, die Bäume rieche, die Wurzeln spüre, dann spüre ich eine tiefe Einheit und Verbundenheit zum Leben, hin zu mir. Es gibt mir Trost und Zufriedenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit. Ich weiss, alles ist in Ordnung. 

Ich habe einen Traum...

  • dass die Menschen wieder staunend durch die Strassen, durch die Natur, durch das Leben gehen. Hinter jedem Strauch, hinter jeder Blume, hinter jedem Lebewesen steckt soviel mehr als nur ein Strauch, eine Blume oder ein Lebewesen. In diesem Staunen sind wir alle gleich - denn wenn wir uns öffnen erleben wir die richtige Schöpferkraft - die durchaus als Gott bezeichnet werden kann.
  • dass wir Menschen anerkennen, dass wir so unterschiedlich gar nicht sind. Dass wir uns leben lassen in unserer Einzigartigkeit - und trotzdem als Einheit, verbunden auf dieser schönen Erde.
  • dass wir uns bewusst sind, dass es eine Geschichte ist, die uns das Christentum, der Islam oder andere Religionen erzählen. Durchaus natürlich mit tröstlichen Aspekten, die uns Halt und Ruhe geben. Letzen Endes wir aber alle vom gleichen reden. 
  • dass wir uns wieder mehr mit den Augen der Liebe sehen, denn das ist alles was zählt, und ist wohl auch der Gedanke, der dahinter steht, wenn wir von Gott reden. 
  • dass wir uns nicht bekriegen müssen aufgrund von andersartigem Denken, Sein oder Glauben. 

Alle diese Bilder lassen mich staunend und dankbar diese Welt betrachten:

Im Buch 'Einweihung' von Elisabeth Haich habe ich folgendes gelesen:

Alle Söhne Gottes brachten und werden dieselben Wahrheiten in verschiedene Teile der Erde bringen, aber die Menschen werden sie mit den Gegebenheiten ihrer Rasse und ihrem Entwicklungsgrad gemäss verschiedenartig erklären und der Nachkommenschaft weitergeben. So werden aus denselben Wahrheiten verschiedene Religionen entstehen (Einweihung, Elisabeth Haich, S. 254).

Für mich ist diese Erklärung stimmig. Ich möchte mir als in einem christlichen Land aufgewachsene Frau nicht anmassen, dass 'meine Religion' richtiger oder gar besser ist als andere Religionen. 

So nehme ich das bevorstehende Weihnachtsfest als Fest der Liebe, als Fest der Ruhe und Einkehr. Ich werde wandern gehen und mich nahe fühlen, zu dem was um mich herum geschieht. Ich werde Frieden spüren, denn ich weiss, ich bin beschützt. 

Es ist meine ganz persönliche, spirituelle Erfahrung, mein näher zu mir finden - mit der ich dieses Weihnachtsfest feiern werde. Ich wünsche Dir liebe Leserin, lieber Leser, dass Du Dein ganz persönliches, ein für Dich stimmiges Weihnachtsfest feiern darfst. Vielleicht durchaus fernab des Traditionellen. Alles Liebe für Dich!

 

Noch eine kleine Anmerkung: Es ist mir klar, dass das Thema Religion auch schwierig sein kann. Mit diesem Beitrag möchte ich niemandem vor den Kopf stossen. Es sind meine ganz persönliche Gedanken zum Thema Religion und we ich damit umgehe. In Zeiten des Terrors und der Entzweiung möchte ich mich wieder mehr auf die Liebe und den Frieden besinnen. Für mich ist es wichtig, dass ich mich nicht von Hass erfüllen lassen werde. Das nützt niemandem etwas. Die Religionen sollten wieder mehr tun, um Gemeinsamkeiten zu finden, anstatt Entzweiung und Ausgrenzung zu schüren. Ich bin in einem christlichen Land aufgewachsen, ich habe vieles gesehen, was mein Herz erfüllt in der katholischen Kirche. Ich habe in Ägypten viel schönes im Islam gesehen.  Darauf sollten wir uns wieder besinnen. Mit Hass können wir keinen Krieg und keinen Terrorismus bekämpfen. Dies können wir nur mit LIEBE. Und die Liebe muss in uns beginnen. Gib dem Hass keine Chance, sondern lass Frieden in Dein Herz. 

 

1. Bild: von unsplash

2. Bild: Ibiza - 3. Bild: Caumasee - 4. Bild: Davos - 5. Bild: Irland, Cliffs of Moher

 

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