· 

Geschieht alles aus einem Grund? Ein Kniefall vor dem Leben?

So viele Male war ich schon Skifahren. Leidenschaftlich gerne! Nicht nur der Sport an und für sich erfüllt mich mit Freude. Auch das 'Sein' in den Bergen ist unbezahlbar. Auf dem Gipfel stehen, in die Weite schauen, in die Unendlichkeit der Berggipfel eintauchen... Unbezahlbar. Ab und zu bin ich gestürzt, wieder aufgestanden und weitergefahren. 

Am 20.2.2017, dem Tag an dem auch dieses Foto entstanden ist, bin ich liegen geblieben. Das Bein komisch abgedreht, die Kniescheibe nicht mehr an ihrem Platz. Rettungsschlitten, Spital, Glück im Unglück dass ansonsten alles heil geblieben ist. 

Nun fängt die Reha an, Physiotherapie, Kniestütze tragen, vorsichtig sein, entlasten. Der körperliche Schmerz geht vorbei, die Frage bleibt... warum passierte es, abgesehen davon, dass es ein Unfall war. Was möchte mir mein Körper sagen, beziehungsweise..... was kann ich lernen? 

Das Knie... mehr nur als ein Körperteil?

Jammern möchte ich nicht, denn wie gesagt, ich hatte Glück im Unglück. Die Genesung läuft zwar schleppend - und das ist momentan meine grösste Herausforderung. Weshalb ich so ausgebremst wurde nachdem ich so im Fluss war... das weiss ich (noch) nicht. Pläne hatte ich, was ich alles besichtigen möchte, wohin ich reisen, fahren, laufen möchte... die Schweiz erkunden, wandern, anschauen. Im Moment geht nur, was mein Knie und meine Krücken hergeben. 

Aber, das rennt ja nicht weg, morgen ist all das auch noch da. 

 

Zeit habe ich momentan genügend, darüber nachzudenken, was die neue Situation mir sagen möchte.

 

Zelebriere die Langsamkeit

War es Ironie, dass ich einen Blog-Beitrag vorbereitet hatte, der genau dies thematisiert? Musste es so sein, dass mir der Körper genau  jetzt die Grenzen aufzeigte? Ja, ich muss jetzt alles langsam machen. Es geht gar nicht anders. Und das macht gar nichts. Langsam bedeutet für mich... bewusst machen, auf sich achten, den Gefühlen Platz zu geben. 

 

Hilfe annehmen

Ich würde mich als selbständig bezeichnen. Ich lebe schon lange alleine, erledige alles was ich kann selber. Es tönt jetzt vielleicht komisch, aber ich hatte Probleme damit, dass ich Hilfe bei banalen Dingen annehmen musste. So sahen mich meine Arbeitskollegen mit meinem Kaffee in der Hand an Krücken an den Pausentisch laufen. Sie trugen mir den Kaffe zum Pausentisch. Ja, und so lernte ich, dass ich diese Hilfe annehmen kann und auch möchte. Wieso auch nicht? 

 

Auf mich schauen

Natürlich wollte ich niemandem zur Last fallen. Natürlich wollte ich mein 90% Arbeitspensum im normalen Rahmen absolvieren. Natürlich habe ich es 'durchstieren' wollen und habe zumindest am Anfang nicht ganz auf meinen Körper gehört. Irgendwann wusste ich, es geht nicht. Ich brauchte mehr Ruhe für mein Knie. So reduzierte ich auf ein 50% Pensum, was im Moment die beste Lösung ist. 

 

Das Glück im Unglück sehen

Es war ein normaler Unfall. Und es hätte schlimmer kommen können. Und wenn man das positive daraus zieht, ist plötzlich alles nur noch halb so wild.

 

Die Erdung wieder finden

Ja, ich gebe es zu... Im Moment war ich perplex. Wollte es nicht annehmen. Schaute den Arzt ungläubig an, als er mir sagte, dass die Skisaison vorbei ist für dieses Jahr. Nein, nicht mit mir! Heute weiss ich, dass er recht hatte. So ist es jetzt wichtig für mich, dass ich zurück finde... in die Situation so wie sie ist. Zurück finde auf den Boden der Tatsachen. Neue Wege finde, mein Erleben leben. Zurück zur Natur, andere Orte, an den See, an den Fluss. Ausruhen, wenn es  nötig ist. Und es gibt ja praktisch überall hin - auf jeden Berggipfel - eine Bahn. Ein Zweifahrt-Ticket rauf-und runter. 

 

Dankbar sein - noch mehr!

Dankbar sein - dieses Jahr mein grosses Thema. Dankbar sein - für Hilfe, für Helfer, für trotz allem schöne Situationen. Dankbar sein - hin zu mehr Liebe, mehr Liebe fühlen. Ich habe dem Pisten-Patrouilleur, welcher mich mit dem Schlitten abgeholt hat, eine Dankeskarte geschrieben. Er wird vielleicht denken: Ich habe ja nur meinen Job gemacht. Ja klar, aber ist es nicht genau das, was es so speziell macht? Er macht den Job, und ich habe mich sicher gefühlt. Ein klein wenig störrisch war ich auf der Piste, als er mir die Kniescheibe wieder einrenken wollte. Er hat trotzdem nicht die Ruhe verloren. Man kann den Job machen, oder man kann ihn mit dem Herz machen. All die Menschen, die tagtäglich im Dienste einer Sache stehen, die tagtäglich 'ihren Job machen', haben die nicht ein Dankeschön verdient? Was kostet es uns, wenn wir uns bedanken für Dienstleistungen? 

Auch bei der lieben Frau, die bei mir war bis der Schlitten kam, habe ich mich im speziellen bedankt mit einem kleinen Präsent, das von Herzen kam - denn ich fühlte Verbundenheit mit zu ihr. Sie war mir Hilfe, bis Hilfe kam. 

Dankbar sein - es kostet uns nichts... Und ist gleichwohl so wertvoll. 

 

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind!

 

Warum ich das alles schreibe? Könnte ich es einfach auch als Unfall abhacken und weitermachen wie bisher? Könnte ich, klar. Mir ist es jedoch wichtig, dass ich Situationen bewusst erlebe und nicht einfach hinnehme und in den Tag hinein weiter lebe. Ich bin noch nicht fertig mit dem Thema, denke ich. Das Leben ist so vielschichtig, das Erleben ist so vielfältig. Es ist/war auch ein Kniefall hin zu mir selbst. 

Hat Dir dieser Artikel gefallen? Dann freue ich mich über ein Like oder wenn Du ihn teilst!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0