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Licht und Schatten - warum es beides braucht...

Der Mond existiert nicht ohne die Sonne. Es gibt keinen neuen Tag ohne die Nacht. Es gibt keine saftigen grünen Wiesen ohne den Regen. Es gibt keine Täler ohne die Berge. Alles gehört zusammen, eines existiert nicht ohne das andere. 

Kennst Du solche Tage: Irgendwie bist Du schon schlecht aufgestanden, total gerädert nach einer unruhigen Nacht. Du fährst zur Arbeit, Dein Denken dreht sich um die anderen Autofahrer/innen - Du erkennst, dass heute alle aufsässig schlechte Fahrer/innen sind. Du kommst zur Arbeit, Dein Arbeitskollege zettelt eine Diskussion an, der Du eigentlich entfliehen möchtest, Du aber irgendwann den Rank nicht mehr findest - und Dich voll wieder findest in einer aussichtslosen Debatte. Unverstanden fühlst Du Dich. Zuhören soll er. Ärger, nichts als Ärger. 

Wenn der Tag so anfängt, ist es wohl schwierig, den Tag mit zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen - was aber richtig wichtig wäre. Denn ich fragte mich - nach diesem Tag,  nach solchen Tagen - was war heute mit mir los?

Der Vergangenheit auf der Spur

Trotz all der Arbeit, die ich mache, trotz all des positiven Gedanken-Trainings, dass ich tagtäglich absolviere, trotz all der Meditationen, die ich praktiziere... trotz all dem... habe ich manchmal das Gefühl, im falschen Film zu sein. Trotz all dem fehlt mir manchmal die Energie dagegen zu halten. Trotz all dem, reagiere ich nicht immer mit Gelassenheit, mit Liebe... Trotz all dem bleibe ich nicht immer bei mir, verlasse meinen Weg, zuerst nach Innen zu schauen, bevor ich reagiere. 


Ich wüsste, ich könnte anders. Eigentlich weiss ich darum. Warum passiert es dann trotzdem? 

Weil wir Menschen sind. Weil wir unsere Erfahrungen gemacht haben. Weil uns Momente des Ärgers zeigen, wo wir hinschauen und lernen können und dürfen. 

Weil es zu uns gehört. 

So wie die Sonne zum Mond. Der Tag zur Nacht. Das Licht zum Schatten. So erlaubte ich mir, näher hinzuschauen - nach diesem Erlebnis der letzten Woche. Ein Tag zum abhacken - oder doch nicht? 


Ohne die Erfahrungen, die wir machen, könnten wir nicht lernen. Ohne den Spiegel, der uns hingehalten wird, wären wir eindimensional. Ich habe mich entschieden, den Spiegel zu nutzen - um genauer hinzuschauen. Was war geschehen?

Ich muss wohl tiefer graben. Ich erinnere mich an meine Jugendzeit. Stets war ich die Kleinste. Unser Lehrer - ein Mann der alten Schule - reihte uns immer in Reih und Glied auf. Immer stand ich am Rand, denn ich war die Kleinste von allen. Nicht nur in der Körpergrösse - dort im wahrsten Sinne des Wortes - auch in mir drinnen fühlte ich mich klein und unscheinbar. Musste mich viel behaupten. Auch während der Lehrzeit. Ein kleines Mädchen, das sich kaum getraute, etwas zu sagen. Vor allem nicht gegenüber dem autoritären Lehrmeister. Die Angst war gross, Fehler zu machen. Die Angst, Fehler zu machen... das Blockiertsein... genau das führte zu Fehlern. Und zu neuer Angst. Und zu noch mehr Fehlern. Ein Teufelskreis, aus dem ich damals noch keinen Ausweg kannte. 

Und heute?

Heute habe ich - zum Glück - mehr Selbstbewusstsein. Heute weiss ich mich zu wehren. Kann meinen Standpunkt vertreten. Trotz alledem erinnert sich meine Seele manchmal an die kleine Dagmar. Hat Angst, Fehler zu machen. So blockierte mich diese Diskussion - und warf mich zurück in alte Denkweisen. In meinem Herzen wusste ich, dass ich die Arbeit richtig mache. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, hielten mich zurück. Ich weiss, dass das zu mir gehört. Stück für Stück versuche ich, die kleine Dagmar zu befreien. 

Doch wie?

Indem ich sie anerkenne, indem ich meine Vergangenheit akzeptiere. Ich aber gleichzeitig einen inneren Vertrag abschliesse, dass ich die kleine Dagmar behüten und beschützen werde. Indem ich achtsam bin, auf meinen innere Gefühle achte - und so erkenne, wann ich (wieder) in alte Verhaltens- und Denkmuster verfalle. Das Licht und der Schatten gehören zu mir. Das Licht wird grösser, der Schatten wird kleiner. Das eine kann nicht ohne das andere existieren. Und das ist gut so. 

Bis ich sie Stück für Stück frei gelegt habe.

Die Dagmar, die frei und unbeschwert ihren Weg geht. 

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