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was mich stört zu mir gehört

Was mich stört, zu mir gehört. Diesen Satz las ich kürzlich und habe ihm keine grössere Beachtung geschenkt. Wie es manchmal so ist, man liest etwas, und denkt sich nichts dabei. Die grössere Bedeutung hinter diesem Satz konnte ich nicht erfassen. 

Bis ich zur Arbeit ging. Ich arbeite an einem Ort mit sehr vielen Menschen. Allerlei Charaktere treffen sich dort, jeder Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte und Facetten. Manchmal geerdet und zentriert, manchmal völlig aus dem Häuschen. Kein Tag wie der andere. Eine (un)glaublich schöne Arbeit, Herausforderung und Bereicherung zugleich. 

Nun gebe ich es zu: Mir missfallen immer mal wieder gewisse Charakter-Züge bei den Menschen, mit denen ich arbeite. Gleichzeitig menschlich finde ich dies wie auch teilweise eine Belastung. Denn es ist bisweilen sehr anstrengend, wenn man sich nervt über die Mitmenschen. Wenn sie einem den letzten Nerv rauben. Und wenn man denkt, am liebsten wäre ich im Bett geblieben an diesem Morgen. 

Ich möchte gerne ein Beispiel geben: Wenn eine Person sehr laut und Raum einnehmend ist, empfinde ich es als sehr anstrengend. Andere Personen haben keinen Platz mehr. Ich meine damit nicht den physischen Raum, sondern mehr den energetischen Raum. Die ganze Energie dieser einen Person (er)füllt den Raum. Es bleibt kein Platz für die anderen Personen. Einengend kann es sich anfühlen. Und anstrengend. 

Was hat es mit mir zu tun?

Als mir das ein paar Mal passierte, oder besser gesagt viele Male, würde ich aufmerksam. Denn ich weiss um meine eigenen Themen. Das Laut-Sein, mit der Tür ins Haus fallen, die weniger weiblichen Anteile in mir, das Strukturierte, das Zack-Zack-Zack. Themen, an denen ich schon lange arbeite. 

Nun ja. Was wollen mir diese Personen denn jetzt sagen? Warum kommen sie ausgerechnet jetzt in mein Leben? Es ist immer einfach, alles was nicht gut läuft, im Aussen zu suchen. Ich horchte hin. Sind denn nicht genau jene Verhaltensweisen, die mich an der anderen Person stören, auch Teile von mir? Wollen sie mir etwas sagen? Wollen sie mir etwas aufzeigen, was ich womöglich noch nicht entdeckt hatte? Wenn wir dem Leben vertrauen, werden uns immer die Personen geschickt, die uns genau in diesem Moment weiterhelfen. 

So war es denn auch bei mir. Ich versuchte und versuche noch immer, den Spiegel hinzuhalten. Zu sehen, wo und wie ich mich spiegelte in diesen Personen. Und weiterhin liebevoll an meinen Themen zu arbeiten. Stück für Stück wegbröckeln zu lassen. Wegfliessen sollen die Themen, die mich (noch) hindern, meine wahre Person zu leben. Meine Seele zu spüren, wie sie (eigentlich) wäre. Heute sehe ich es (auch) als Bereicherung, dass mir das Leben Personen - Spiegel - schickt, an denen ich wachsen kann. An denen ich erkenne, wo ich noch lernen kann. 

Aber... heisst das denn jetzt, dass ich alle Personen gern haben sollte, weil sie mir mein eigenes Verhalten spiegeln? Ich meine, das wird unmöglich sein. Es wird immer Tage, Momente geben, an denen ich besser damit umgehen kann. Und an anderen Tagen weniger gut. So sind wir Menschen, das macht uns als Mensch aus. Diese Erfahrungen sollen/dürfen wir machen. 

Wir können aber - wie ich meine - in jeder Person auch etwas Schönes sehen. Bestimmt hat jede Person - auch wenn wir sie nicht mögen - ihre schönen Seite. Etwas, in dem sie/er besonders schön ist. Besonders begabt und liebevoll. Besonders talentiert und hilfsbereit. Besonders Mensch. 

So haben wir doppelten 'Nutzen' aus den Begegnungen mit den Menschen. Zum einen spiegeln sie uns unser eigenes Verhalten, unsere eigene Schwächen und Stärken, unser eigenes Wesen. Zum anderen üben wir uns darin, das Positive in den Menschen zu erkennen, und dies in den Vordergrund zu stellen. Anstatt uns im Negativen festzufahren. 

 

Und dafür dürfen wir dankbar sein. 


Und so möchte ich diesen Artikel abschliessen mit einer Grussformel aus dem Sanskrit: 

 

Namaste: «Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind».


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Das Bild habe ich im September in Ägypten aufgenommen, und es hat mir sehr gut gefallen, da es mich eins zeigt mit dieser mir unbekannten jungen Dame. 

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