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Mein Ausstieg aus der Landeskirche

Dieser Artikel ist sehr lange in mir gereift, denn ich bin mir durchaus bewusst, dass viele Menschen den Entscheid aus der Landeskirche auszutreten - in meinem Fall die römisch katholische Kirche - nicht gutheissen oder verstehen. In diesem Artikel geht es nur um meine Gedanken und Gefühle, die mich dazu bewogen haben, an einem 31. Dezember vor ein paar Jahren zur Gemeinde zu gehen, und meinen Kirchenaustritt beglaubigen zu lassen. 

Wie es dazu kam

Wenn ich zurück denke an meine Kindheit und an die Kirche, erinnere ich mich vor allem an harte Kirchenbänke, an Knie, die mir weh taten, ich erinnere mich an Predigten, die ich nicht verstanden habe und an stickige dunkle Beichtstühle, in die ich reinmusste und dem Herrn Pfarrer meine Sünden beichten musste. Ich weiss noch, dass ich jedes Mal ein flaues Gefühl hatte, aber nicht, weil ich mich fürchtete wegen meinen Sünden, sondern weil es mir unbehaglich war in diesem Raum und dem Mann, denn ich nur durch die Holzstäbe sah. Zum anderen sah ich den Sinn nicht richtig, da ich meiner Meinung nach ein durchaus anständiges Kind war. Natürlich nicht ohne Fehl und Tadel; aber auch nicht böse. Wie Kinder sind... so war ich auch. 

Ich wurde in eine katholische Familie hinein geboren. Ich hatte zeitlebens immer das Gefühl, dass wir katholisch sind, weil 'man' einfach einer Kirche angehörte - hinterfragt wurde es nie. Meine Eltern hatten sich offenbar schon ein Stück von ihren Eltern emanzipiert, denn die strikte Trennung zwischen der römisch-katholischen Kirche und der evangelischen Kirche gab es, als ich ein Kind war, nicht mehr. Meine beste Freundin war evangelisch - für meine Grosseltern war es damals zum Beispiel undenkbar, dass mein Vater eine evangelische Freundin bzw. Frau nach Hause brachte. In unserem Dorf, welches durch eine grosse Hauptstrasse in zwei Gebiete aufgeteilt ist, steht immer noch linkerhand die katholische Kirche und rechts die evangelische Kirche - sowie entsprechend zwei Schulen. Früher waren die Schüler getrennt nach Glaubensgemeinschaft in die Schule gegangen; zu meiner Zeit war dies schon aufgehoben, die Schüler und Schülerinnen kamen nicht mehr nach Glaubenszugehörigkeit in die Schule, sondern nach Wohngegend, sodass niemand die grosse Hauptstrasse überqueren musste.  

Und dies hier ist schon zum 1. und für mich der wichtigste Punkt, der mich dazu veranlasste, die Kirche zu verlassen. Die Abgrenzung und Trennung zwischen und auch in den Menschen - ohne, dass es ihnen vielleicht bewusst ist. 

Aber ich möchte zuerst noch ein bisschen mehr erzählen. Ich hatte schon lange das Gefühl, dass meine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche nur noch 'pro forma' war. In die Kirche ging unsere ganze Familie schon lange nicht mehr regelmässig. Wenn ich zu bestimmten Anlässen doch wieder einmal in der Kirche war, fühlte ich mich nicht wohl - ich empfand die Energie in diesem Gotteshaus - wenn viele Menschen darin waren - ganz schrecklich. Für mich war es vielfach vergeudete Zeit; denn Gott nahe war ich vor allem in der Natur. Allerlei Fragen habe ich wegen des Kirchenaustrittes beantwortet - eine war zum Beispiel, weshalb ich denn immer noch an Gott glaube, obwohl ich nicht mehr in der Kirche bin. Für mich sind solche Fragen ehrlich gesagt nicht immer leicht zu verstehen. Aber offensichtlich denken viele Menschen so. Nur wer in der Kirche ist, darf an Gott glauben. Ich antworte dann stets: Wenn wir diesen Gedanken weiterspinnen, heisst das dann auch, dass nur Christen oder katholische Christen an Gott glauben dürfen? Genau so fangen meiner Meinung nach Glaubens-Kriege an: Jede Gemeinschaft hat das Gefühl, ihr 'Gott sei der alleinige Gott' - und alle anderen haben Unrecht. Wie wäre es, wenn wir Gott einfach die 'Liebe' nennen? Denn die Liebe ist für alle da!

Natürlich müssen wir nicht darüber diskutieren, was in der römisch-katholischen Kirche alles schief läuft. Die vielen Vertuschungs-Geschichten, die Übergriffe katholischer Geistlicher auf unschuldige Kinder, das Zölibat, das jenseits meiner Vorstellungskraft ist, dessen, was eine moderne, aufgeschlossene Kirche vermitteln sollte. Stur wird an alten Strukturen festgehalten. Homosexualität wird nicht akzeptiert. Im Gegenteil, homosexuelle Menschen werden diskriminiert. Geschiedene Menschen werden verstossen oder nicht mehr beachtet. Die katholische Kirche verbietet den Sex vor der Ehe und ist gegen Kondome. 

Ich weiss, es tönt alles seh hart und verurteilend - und ich möchte gerne in meiner positiven Energie bleiben. Für mich waren dies aber durchaus Aspekte, wieso ich gesagt habe, ich verlasse die Kirche. Ich suche die Einheit (in mir) und nicht die Abtrennung. Natürlich gibt es viele Menschen, die all diese Aspekte auch verurteilen und nicht mehr gut finden - trotzdem aber die Kirche nicht verlassen. Ich fragte mich aber dann ernsthaft: Wieso bin ich in einer Gemeinschaft, zu der ich keinen Bezug mehr habe? Aus Gewohnheit? Weil 'man' einfach einer Religion angehört? Weil es sich so gehört? 

All diese Aspekte bewogen mich dann dazu, aus der Kirche auszutreten. Es war eine Be-frei-ung im wahrsten Sinne des Wortes. 

Und während ich so am schreiben bin, merke ich, dass dieses Thema durchaus einen 2. Beitrag verdient hat - einen Beitrag, in dem es geht um meinen wichtigsten Punkt, weshalb ich aus der Kirche ausgetreten bin. Es geht darum, was die Kirche transportiert; es geht um Abgrenzung und Trennung zwischen den Menschen - und in den Menschen selber. 

Und so wünsche ich den Menschen, dass sie auf ihre innere Stimme hören - und wenn diese sagt, ich fühle mich wohl in der Kirche - dann soll es so sein. Und ansonsten, wenn Du austreten möchtest - ist es auch gut! 


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Bildquelle:

Unsplash

Photo by Hanny Naibaho on Unsplash


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